Der Kastanienbaum wurde von den Römern in Europa verbreitet. Lange bevor die Kartoffel aus Südamerika zu uns gelangte, waren die Kastanienspeisen eine wichtige Ernährungsgrundlage in unserer Region. Man nannte den Baum von Anfang an „Brotbaum“, weil aus Kastanienmehl Brot, Polenta, Fladenbrot gemacht werden konnten. Die Ess-Kastanie stand besonders auf dem Speiseplan der armen Bevölkerung. Die fettarmen, stärkereichen und süßlichen Maronen waren nach Missernten oft eine der wenigen lebensrettenden Nahrungsmittel. Botanisch gelten diese Nüsse weniger fett als Walnuss oder Haselnuss, sie sind jedoch reich an Kohlenhydraten. Heute sind sie eher ein kulinarisches Beiwerk.
Als Weizenalternative könnte die Esskastanie sehr wohl noch eine Renaissance erleben: Neben köstlicher Nascherei in der kalten Jahreszeit lassen sich die Früchte in getrockneter Form mahlen. Maronen haben einen Stärkeanteil von 43 Prozent, sie ist reich an Kalium und B-Vitaminen. Brot und Gebäck aus Esskastanien-Mehl sind glutenfrei und erweiteren für Allergiker den Speisezettel. Dicke Edelkastanien empfahl die Klosterfrau Hildegard von Bingen.
Edelkastanien können, aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und der gespeicherten Sonnenenergie, einen Menschen so ernähren, dass er wieder zu Kräften kommt und seine Gesundheit zurückerlangt. Die Frucht der Ess-Kastanie kommt Nerven und Muskeln zu gute. Diabetiker sollten diese kohlenhydratreiche Pflanze eher meiden.
In der medizinischen Verarbeitung findet der ganze Baum Verwendung: Holz, Blätter, Blüten, Früchte. Die Blätter sind auswurffördernd – innerlich beruhigen diese Bronchitis, Keuchhusten und Halsentzündungen. Es gibt sie homöopathisch verarbeitet im Handel. Äußerlich sind Blätter und Fruchthülsen als Dampfbad bei Gicht und Rheuma geeignet.
Psychisch hilft das Holz der Ess-Kastnie dem desorientieren Menschen, der sich nicht zu konzentrieren vermag, durch eine Aromatherapie. Als Räuchermittel beruhigt das Holz der Ess-Kastanie den Geist wie das Herz – inner Freude, Selbstvertrauen steigen an. Unter dem Baum selbst kommt manch einer noch mehr zu innerer Ruhe und Gelassenheit.
Besonders am Ostrand des Pfälzerwaldes und am Westhang des Schwarzwaldes finden gesundheitsliebende Kulinariker zahlreiche Exemplare des Baumes des Jahres 2018. Die Bäume der Ess-Kastanie erreichen bei uns Umfänge bis zu neun Metern – Höhen bis zu 33 Metern. Die imposantesten Ess-Kastanien stehen jedoch in Italien – mit einem sagenhaften Umfang von bis zu 22,5 Metern.